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Was ist LARP?

Welche LARP-Genres gibt es?

 

Jedes Liverollenspiel spielt vor einem bestimmten Setting. Diese Hintergrundwelten sind dabei sehr unterschiedlich und reichen von historisch geprägten Märchenwelten über realitätsnahe Gegenwartsspiele bis hin zu futuristischen Science-Fiction-Planeten. Im folgenden soll eine Auswahl – denn diese Liste kann aufgrund des Ideen- und Erfinderreichtums innerhalb der deutschen LARP-Szene nie ganz vollständig sein – der gängigsten Genres im deutschen Sprachraum vorstellen.

 

Fantasy

Das für viele wohl klassischste Liverollenspiel-Genre ist Fantasy. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern wie zum Beispiel Finnland finden in Deutschland die meisten Liverollenspiele vor einem phantastischen Hintergrund statt. Historische Eindrücke aus dem Mittelalter werden hier mit mythischen Sagen- und Phantasiegestalten gemixt. Heraus kommen Spiele, bei denen Ritter gemeinsam mit Elfen, Zwergen und Magiern gegen hinterlistige Orks und böse Goblins streiten. Solche Konflikte, wenn es denn neben Rätselraten, Erkundungsspielen im Wald oder dem Durchstöbern von alten Bibliotheken dazu kommt, werden mit schaumstoffgepolsterten Waffen ausgetragen. Immer häufiger gibt es jedoch auch Spiele, bei denen gänzlich auf die Kampfkomponente verzichtet wird und hier das Charakterspiel noch mehr im Vordergrund steht.

Wie man sieht, gibt es auch in den einzelnen Genres noch weitere Subgenres. Auf High-Fantasy-Spielen ist der Anteil an nicht-menschlichen Spielfiguren deutlich höher und Plots werden meist mit aufwendiger Zauberei gelöst. Bei Low-Fantasy-Veranstaltungen findet man hingegen fast nur menschliche Charaktere und glaubt oft schon, selbst im Mittelalter zu sein. Verschiedene Untergattungen wie Dark Fantasy, bei denen eher düstere Plots gespielt werden, runden das Genre ab. Egal ob High- oder Low-Fantasy, die meisten Organisationsteams erschaffen hier ihre eigenen Welten. Prozentual gesehen nur recht selten wird auf bereits vorhandene Welten wie der Hintergrundwelt Aventurien des Tischrollenspiels Das schwarze Auge zurückgegriffen.  

 

 

Besonders im Bereich der historischen Settings gibt es noch viele Genres und Subgenres mehr, wie Mantel-und-Degen-LARPs oder Spiele in den 1920er oder 1970er Jahren. Immer wieder werden Film- oder Romanvorlagen zu Liverollenspielwelten; etwa bei Harry Potter, Firefly oder Fluch der Karibik. Alles in allem muss man sagen, dass das deutsche Liverollenspiel sehr vielfältig ist.

 

Neben den Genres unterscheidet man noch traditionsgemäß die Art der Veranstaltung nach Spielanteilen. So gibt es Tavernenspiele, die ausschließlich in einem mittelalterlichen Gasthaus stattfinden, Schlachtencons, bei denen viel mit Schaumstoffwaffen gekämpft wird oder Hofhaltungen, bei denen aufwendiges Essen und abendliche Tanzbälle im Vordergrund stehen.

Vampire Live

Eine weitere große Szene in Deutschland sind die Werwolf- und Vampir-Szenerien nach Vampire – The Masquerade. Das eigentlich als Pen-&-Paper-Rollenspiel entwickelte Rollenspiel eignet sich wunderbar, um Intrigen und Kuriositäten rund um verschiedene Vampirfamilien, die sogenannten Clans, auszuspielen. Bei Vampire gibt es ebenfalls Ableger in verschiedenen Epochen, wie beispielsweise Vampire in der Gegenwart oder die mittelalterliche Variante der Dark Ages. Alle Settings haben gemein, dass die Teilnehmenden an Vampire-Spielen selbst Vampire verkörpern oder Charaktere, die sich in deren Nähe ansiedeln (wie zum Beispiel Ghule).

Im Gegensatz zu den meisten Fantasy-LARPs, die überwiegend als Wochenend-Veranstaltungen für die Dauer von einem oder mehreren Tagen stattfinden, trifft man sich zu Vampire meist in regelmäßigen Abständen für wenige Stunden.

Horror

Unter diesem Genre könnte man alle Spiele zusammenfassen, die eher einen gruseligen Hintergrund haben und häufig auf Schockeffekte setzen. H.P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos bildet für diese Spiele oft eine gute Grundlage. Manche Fantasy-Spiele bedienen sich ebenfalls Horror-Elemente. Seit neuster Zeit gibt es auch vermehrt Zombie-LARPs, bei denen weniger Horror sondern vielmehr der sogenannte Splatter-Faktor im Vordergrund steht. Die Epochen bei Cthulhu- und Horrorspielen sind sehr unterschiedlich. Da häufig nahezu alle Charaktere am Ende des Spiels von Monstern getötet werden, müssen sich die Spieler meist für jedes Con einen neuen Charakter erschaffen.

Historische Settings

Während bei Low-Fantasy-Veranstaltungen noch einzelne Elfen und Zwerge auftauchen und hin und wieder ein Magier einen Feuerball zaubert, findet man beim sogenannten ReenLARPment, einer Mischung aus Liverollenspiel und Reenactment ausschließlich Charaktere, die in die jeweils bespielte Zeit – zum Beispiel das deutsche Mittelalter im 12. Jahrhundert – passen. Die Kostüme sind hier zum großen Teil handgenäht und man streitet sich scherzvoll darüber, ob die Kopfbedeckung nicht eher erst zehn Jahre später in Mode gekommen ist. Reenactment, das realitätsnahe Nachspielen realer Historie, wird jedoch meist nicht mehr zu Liverollenspiel gezählt, da dort gängige LARP-Muster – wie das freie Ausspielen eines eigenen Charakters – fehlen.

Historische Spiele beschränken sich keineswegs nur auf mittelalterliche Welten. Auch Spiele im römisch-germanischen Kontext, frühgeschichtliche Spiele oder Veranstaltungen im England des späten 19. Jahrhunderts (Gaslight) sind hier zu finden. Mal mehr und mal weniger werden diese Spiele auch mit Fantasy-Themen gewürzt.

Science-Fiction

Bei Science-Fiction-Spielen bedient man sich neben selbst erdachten Hintergrundwelten häufig Buch- oder Filmvorlagen wie Star Trek, Star Wars oder Babylon 5. Eine Science-Fiction-Szene, bei der man – ähnlich wie bei deutschen Fantasy-Spielen – mit ein und demselben Charakter die unterschiedlichsten Cons besuchen kann, gibt es jedoch nicht. In einigen Science-Fiction-Welten bereist man mit Raumschiffen andere Planeten, andere hingegen spielen auf der Erde in nur naher Zukunft. Wieder andere scheinen fast gänzlich losgelöst zu sein. Weitere Subgenres nutzten das Tischrollenspiel Shadowrun oder andere Cyberpunk-Stories, sind eher technikgeprägt mit zahlreichen Robotern statt menschlichen Charakteren oder im Steampunk-Setting angesiedelt. Wieder andere Spiele nutzen die Welt des Tabletop-Spiels Warhammer 40.000 als Hintergrund.


Endzeit

Postapokalyptische Szenarios wie bei den Filmen Mad Max oder den Tischrollenspielen Degenesis werden häufig auch noch zu Science-Fiction gezählt. Sie unterscheiden sich jedoch meist dahingehen, dass hier keine futuristisch erstrebenswerte Welt, sondern eine totale Destruktion als Hintergrundwelt dient. Alte Schrottplätze, verlassene Militärübungsgelände und schmutzige Lagerhallen sind hier passende Locations. Kostüme werden nach dem Motto „je schmutziger, desto besser“ hergestellt. Endzeit ist im Vergleich zu den anderen Liverollenspiel-Genres noch recht jung. Es gibt jedoch immer mehr Liverollenspiel-Veranstalter, die Endzeitgeschichten spielen. Um den Kampf mit Schusswaffen zu simulieren werden – nach anfänglichen Versuchen mit Softairpistolen und Schutzbrillen – immer häufiger Nerfguns verwendet, da diese zwar nicht so realitätsnah aussehen, aufgrund des deutlich geringeren Verletzungsrisikos jedoch für viele mehr Spielspaß bringen.

Wild West

Diese Liverollenspiele sind aus der Idee gebohren, Cowboy und Indianer zu spielen. Und genau dies passiert bei Wild-West-Spielen. Der Sheriff versucht, für Ordnung zu sorgen, während im Saloon getanzt wird; auf der Straße treffen sich zwei Gangster zu einem Duell und der nächste Indianerstamm gräbt gerade das Kriegsbeil aus. Ob eher Cowboys oder Indianer im Vordergrund des Spiels stehen, hängt vom Geschmack des Organisationsteams ab.

Krimi

Eine Randform von Liverollenspiel sind die sogenannten Krimidinner, bei denen die Teilnehmer selbst Rollen übernehmen und auch selbst aktiv werden. Meist verläuft ein Abend so, dass man bei einem netten Essen im kleinen Kreis von vier bis zwölf Personen einen gemütlichen Abend verbringt. Hierbei tragen jedoch alle Gäste ein mehr oder weniger passendes Kostüm und lösen einen Mordfall. Einer der Gäste ist der Mörder und durch geschickte Fragereihen versucht man, diesem auf die Schliche zu kommen. Krimidinner-Veranstaltungen, bei denen der Teilnehmer professionellen Schauspielern bei einzelnen Szenen zuschaut und zwischendurch den nächsten Gang einnimmt, sind eher nicht als Liverollenspiel zu bezeichnen.

 

Alternate Reality Game

Alternate Reality Games (kurz ARG) sind eigentlich Marketinginstrumente und werden hauptsächlich im Internet gespielt. Ein Unternehmen, das ein neues Produkt auf den Markt bringt, beauftragt hierbei eine Werbeagentur mit einem Alternate Reality Game. Eines der bekanntes ARGs ist wohl die Vorgeschichte zum Film „Blair Witch Project“. Die Organisatoren des Spiels hatten hier verschiedene Informationen auf Websites gestreut, eine fiktive Reisegesellschaft gegründet und vieles mehr. In Wahrheit diente alles jedoch nur zur Vermarktung des Filmes, von dem man glaubte, er sei Realität. Ein Alternate Reality Game spielt mit der Verwischung von Wahrheit und Fiktion getreu nach dem Motto „this is not a game“. Die Spieler folgender sogenannten „puzzle trails“ und versuchen, ein Geheimnis zu entschlüsseln.

In neuster Zeit gibt es vermehrt Alternate Reality Games mit Live-Anteilen, bei denen eine feste Teilnehmergruppe eine realitätsnahe Geschichte meist in einer modernen Großstadt erlebt. Da diese Spiele viele Parallelen zum LARP aufweisen, wie beispielsweise der Kontakt zu NSCs, sollen sie in der Aufzählung der Genres nicht fehlen.