GRATULATION

Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner*innen des FRED 2020!

Auch dieses Jahr wurden wieder wunderbare Projekte im LARP ausgezeichnet und die Wahl war gar nicht so leicht für das FRED-Team. Herzlichen Dank an Wanja Neite, Maren Duda und Mareike Zerpner für ihre tolle Arbeit!

Gesamtdesign

Für den Preis in der Kategorie Gesamtdesign wurden Rollenspielprojekte nominiert, die sich durch ein gutes Zusammenspiel vieler Faktoren auszeichnen, welche ein gutes und kreatives LARP ausmachen: Spielmechaniken, Inhalt und Plot, Kostümierung, Szenenbild und Kulisse, Maske, Requisite und die Spielerfahrung der Teilnehmer*innen. Außerdem Kommunikation und Marketing. Ein besonderer Fokus lag auf Ideenreichtum und progressiver Konzeption.

Cerebrum Irrumabo ist eine frische gegründete Larp-Orga unter dem Dach des gemeinnützigen Gugelgilde e.V..

Das Team setzt sich zusammen aus Anne-Marie Holl, Ina Kaup und Anita Berthold unter Mitwirkung von Jan Philip Rinck, Nadine Stellert und Arne Handt.

Jury: Mit ihrem ersten Werk als Orga “Die Anubis Konfiguration” tischen Cerebrum Irrumabo harten Tobak auf. Das Spiel im Setting einer Forschungsanstalt in einer alternativen Version der 1970er Jahre ist psychodelisch gestaltet und geht der Frage nach, was uns als Menschen ausmacht, über das Hinabwagen in die eigene Persönlichkeit, um Transzendenz. Die Teilnehmer*innen schlüpften dazu in die Rolle von Wissenschaftspersonal und Versuchspersonen. Bei der ersten Durchführung im Winter 2019 wurden die Spieler*innen exklusiv ausgewählt und ausführlich auf das Spiel vorbereitet. Dies ermöglichte ein hohes Level an Vertrauen zwischen den einzelnen Spieler*innen und ein unheimlich intensives, nach innen gerichtetes und zugleich auf Drama fokussiertes Charakterspiel. 

Das gesamte Projekt fällt auf durch seine herausragende und irrwitzig detaillierte Gestaltung. Das Game Design der “Anubis Konfiguration” ist mutig und geht kreative Wege, um ein dramalastiges Spiel zu forcieren. Hier passt einfach alles zusammen und ergibt ein LARP-Projekt, zu dem uns kein vergleichbares Beispiel bekannt ist. 

Ausstattung

In dieser Kategorie werden Projekte ausgezeichnet, die sich durch ein besonders gelungenes Zusammenspiel von Ausstattungselementen hervortaten. Dazu gehören Kostümierung, Szenenbild und Kulisse, Maske, Requisite und Location. Es geht um besonderes spielerisches Potenzial, dass durch die Ausstattung erreicht wird, ein besonders gutes Zusammenspiel der einzelnen Elemente oder auch unkonventionelle und in sich geschlossenes Gestaltungskonzepte und besondere handwerkliche und gestalterische Leistung.

„Ballroom Of Fear“ ist ein Online-LARP aus der Feder von „Lecki Lecki Kollecki“/“What‘s In My Box?“ und wurde in zahlreichen Durchläufen im Mai 2020 durchgeführt, ein Rätselspiel mit einer Prise Horror und einem nachdrücklich Augenzwinkern. Über einen Videostream verfolgten die 6-8 Spielenden das Geschehen in drei Etagen des alten Ballhauses im Westflügel Leipzig.

Projektleitung Jonas Klinkenberg arbeitet als künstlerischer Leiter des Westflügel Leipzig und ist als freischaffender Künstler tätig. Zusammen mit Dana Ersing, Hannah Morris, Owain Griffiths und Eva-Maria Schneider (letztere war am Ballroom nicht beteiligt) gründete er 2019 das Lecki Lecki Kolleki. Mit ihren Minitheatern waren sie seither bei verschiedenen Veranstaltungen zu Gast.

Jury: “Ballroom Of Fear” verbindet virtuelle und analoge Räume auf sehr kreative Weise zu einem Setting. Der innovative Ansatz ist geprägt durch die Einbindung einer von NSC bespielten Location, die über Kameras den Online-Spielenden eine tiefe Immersion ermöglicht. BoF bringt Horror-Elemente und Humor unter einen Hut. Die Spielenden können in den verschiedenen Räumen der Location übernatürliche Phänomene beobachten, durch die NSCs mit den Räumen und Gegenständen interagieren und sich von der Stimmung einfangen lassen. Die transportable Nebelmaschine sorgte zusammen mit den vielen liebevollen Details für eine Atmosphäre zwischen poetischem Grusel und Momenten von Horror. Besondere Raffinesse zeigt die Orga durch die bewusste Nutzung von Technik, Ausstattung und Belichtung der Location.

Nachwuchsförderung

In der Kategorie Nachwuchsförderung wurden Projekte nominiert, die sich explizit an Einsteiger*innen richteten oder von Personen umgesetzt wurden, die zuvor keine Erfahrung als Organisator*innen von LARPs hatten.

“LAOG” steht für Live-Action Online Game und ist ein Begriff und Framework, der von Gerrit Reininghaus entwickelt wurde. Um dieses Framework herum entstanden Online-Communities, Veranstaltungen und zahlreichen Spiele. 

Gerrit Reininghaus ist RPG und Larp Designer und lebt derzeit in Bonn. Er beschäftigte sich ursprünglich vorwiegend mit Indie-RPGs und entdeckte seine Leidenschaft für Larps auf der Solmukohta-Konferenz 2016 in Helsinki. Seine Inhalte vertreibt er auf dem Online-Blog alles-ist-zahl.de und in zahlreichen Spiele-Communities. 

Jury: Gerrit Reininghaus prägte das Format “LAOG” (Live Action Online Game) und hat seither maßgeblich dazu beigetragen, dass Online-Larps von immer mehr Rollenspielenden wahrgenommen, gespielt und entwickelt werden. Dabei verbindet er Communities und macht diese Form des Rollenspiels einer sehr vielfältigen Community zugänglich. Denn seine Projekte sind stark von dem Bestreben geprägt, sie niedrigschwellig zu gestalten. Gerrit zeichnet seine Spiele häufig auf, um sie Neulingen zugänglich zu machen. Dadurch entsteht etwas, das bei vielen Larps nicht möglich ist: man kann zusehen. In seiner Auseinandersetzung mit den Rollenspiel- und Online-Medien entstand das Framework “LAOG”, das Menschen verbindet, viel Neues eröffnet und es Spielenden leicht ermöglicht, mitzugestalten und teilzuhaben. Die Innovationskraft seines Design-Frameworks und die Leidenschaft, mit der Gerrit es der (internationalen) Community zugänglich macht, sucht ihresgleichen.

Drama-Game/MiniLARP

In der Kategorie Drama Game / Mini-LARP vergibt der DLRV den Mini-Fred für Kurzformate, deren Durchführung nicht länger als vier Stunden dauert und auch ohne Leitung der Autoren von anderen Gruppen gespielt werden können.

Wibora Broschinski ist seit circa 10 Jahren LARPerin im (internationalen) Nordic LARP Style. Inspiriert durch unterschiedliche LAOGs während der Pandemie kam ihr die Idee “The space between us” zu schreiben. Das Spiel wurde seit Mai 2020 bereits über 8 Mal gespielt und kann mit 5 Spieler*innen gespielt werden. 

Jury: “The Space Between Us” ist ein Online-LARP über eine Reise durch das Weltall, die sich um eine Familiengeschichten, um Hoffnung, Einsamkeit und Verlust dreht. Das Spiel zeichnet sich durch die sorgfältige Inszenierung eines wohlbekannten Settings aus, in der Aspekte wie Sound, Bildgestaltung und Safety mitgedacht wurden und die das Spiel hervorheben. “The Space Between Us” ist handwerklich absolut rund. Durch das umfangreiche und gut gestaltete Spielmaterial ist das Online-LARP leicht spiel- und wiederholbar – nicht umsonst wurde es im Pandemiejahr oft und mit viel Begeisterung gespielt. 

Sonderpreis Community

Der diesjährige Sonderpreis soll Konzepte und Projekte küren, die in besonderer Weise um die Ermöglichung von Partizipation, Teilhabe und Co-Kreation aller Beteiligten bemüht sind.

“Jetzt mal kurz OT” ist ein Projekt der Podcasterin und LARPerin Shelly mit dem Untertitel “Der emanzipatorische Larp-Podcast. Shelly produziert die Folgen in Eigenregie, in Zusammenarbeit mit wechselnden Gästen, und veröffentlicht diese in unregelmäßigen Abständen.

Dabei setzt sich mit diversen Themen wie gesellschaftliche Diskriminierungsformen, Inklusion, Offenlegung von Marginalisierung im Rollenspiel und die Bildung von Communities, in denen marginalisierte Personen und Gruppen besser mitgedacht und repräsentiert werden und teilhaben, auseinander.

Jury: “Jetzt mal kurz OT” haben sicherlich viele von uns schon gesagt. Hier ist allerdings weit mehr gemeint: “Jetzt mal kurz OT” ist ein Podcast, der gesellschaftliche Diskriminierungsformen im Larp thematisiert. Die Podcasterin Shelly trieben dabei Fragen um, wie “Warum sehen wir so wenige Menschen mit Behinderung beim Larp? Warum sehe ich so wenige People of Color im Larp? Und warum redet niemand darüber?”

Über diese Themen müssen wir sprechen. Sie verdienen Aufmerksamkeit, um ein paar blinde Flecke innerhalb der Szene aufzuzeigen und auch die ein oder andere Wissenslücke bei den Hörer*innen zu schließen. Dieser Podcast hat jede*n Hörer*in verdient und ist obendrein schwer fredverdächtig! Es sollten sich mehr Larper*innen trauen solch gesellschaftlich relevanten Projekte rund um das Larp anzupacken. Eine absolute Bereicherung für die Larp-Szene!